Kurze Abhandlung über das Publikum auf Punkkonzerten 2014
Gibt es eine Sache, welche mich mehr aufregt, als die ganzen Flachpfeifen die meinen mich mit ihrer Heulsusenmusik vollzumemmen, dann jawohl die Schurken die sich die Grütze auch noch freiwillig reinziehen. Quer durch alle Ecken und Kanten dieses beschränkten Landes, hab ich sie mir genau angesehen. Meistens gespielt cool, ab und zu mal ein Kopfnicken, am Ende sich beschwerend. Ihr wiszt genau wer ihr seid und wie ihr euch benehmt. Meine Fresse, okay. Da ich durch meine Frau Mutter mit einer unheimlich präzisen Beobachtungsgabe gesegnet wurde, stelle ich hier mal die von mir ermittelten Typen eines typischen Publikumspunkers dar.
- Der/Die beigeisterte Szenehans: Der Typus des begeisterten Szenehonsels entspricht ungefähr dem eines aufgebrachten Robbenbabies im Zoo, wenn der Wärter die leckeren Fischabfälle in die Menge wirft. Gierig nach Aufmerksamheit und Fischabfällen geifernd, schnappft unser/e Freund/in umher, brabbelt wirre Wortfetzen, ab und zu einfach nur lautes Gelächter ohne speziellen Grund. Du triffst ihn/sie entweder vor einer Distrokiste wild am Gestikulieren, oder im Falle von engagierteren Exemplaren hinter einer Distrokiste, Geld zählend. Der/Die Szenehans kennt jede Platte, jede Band, jedes Fanzine, jedes Buch sogar jeden Film oder jede Serie auswendig und klaut sich daraus sämtliche witzige Geschichten zusammen, welche er/sie dann locker in die Gespräche einstreut als wäre die Story direkt aus seinem/ihrem Leben gegriffen. Eigentlich kennt der/die Honsel auch jeden auf der Show dank Facebook und Mundpropaganda. Gegrüszt werden allerdings nur andere Szenehonsels oder Leute die kurz vorm Aufstieg zum Szenehonsel stehen. Meistens spielen die Idioten noch selber in irgendeiner Kackband.
- Der/Die minderjährige Doppeldepp: Minderjährige Doppeldeppen findet man vorangig auf Punkshows im dörflichen Bereich. Viele gehen noch zur Schule, manche tun es nur heimlich. Wichtigstes Erkennungsmerkmal: Sie sehen grundsätzlich aus, als wären sie vor einer Stunde besoffen unter einer Bahnhofsbank wach geworden. Das da allerdings sehr viel Arbeit und Zeitaufwand dahintersteckt um so unterirdisch scheisze auszusehen, das vergessen so Manche. Vor der Punkshow steht der minderjährige Doppeldepp mindestens fünf Stunden vor dem Badezimmerspiegel des elterlichen Reihenhauses und bearbeitet mit jeder Menge Haarspray, L’Oreal Produkten und Körpersäften seine/ihre hohle Ballerbirne. Wenn die Frisur endlich sitzt und man kleine Babies auf den hammerharten drei-Meter-langen Stacheln aufspießen könnte, werden noch fehlende oder beschädigte Aufnäher oder Nieten an der Jacke ausgetauscht. Jede/r minderjährige Doppeldepp dekoriert sich mit mindestens einem durchgestrichenen Hakenkreuz, merkt meistens aber nicht wann er/sie plötzlich mit Nazis säuft/knutscht/spritzt. Er/Sie ist einfach zu jung um so etwas zu merken. Und natürlich zu besoffen.
- Der/Die mitgebrachte Student/in: Studenten zeigen sich sehr häufig auf Punkkonzerten. Klar sind auch viele begeisterte Szenehänse gereits an der Uni eingeschrieben und arbeiten fleiszig an ihren Abschlüssen, bei den mitgebrachten Studenten geht es allerdings um etwas völlig anderes. Sie sind sehr häufig mit jemandem aus einer Band oder einem Szenehans befreundet. Manchmal sind sie auch die Integrationshelfer eines minderjährigen Doppeldeppen oder das Pflegepersonal eines senilen Altpunkers. Viel anfangen können sie mit der ganzen Nullmusik hier natürlich nicht. Auf der Autofahrt zur Show lief noch schön ein bisschen alter HipHop aus Hamburg und zuhause auf der WG-Toilette liegt der Musikexpress als Kacklektüre. Für sie bedeutet der Abend im AZ entweder „Menschenzoo“ oder „Mensch sollte auch mal über den Tellerrand schauen“. Am Ende des Abends wird auf alle Fälle ein Jutebeutel mit irgendeinem schlechten Spruch als Siebdruck vom Merchtisch gekauft. Natürlich wird groszzügig ein Euro mehr bezahlt, als verlangt. Besonders dämliche Exemplare erlauben sich hierbei einen Witz und rufen „Aufrunden bitte!“.
- Der/Die antifaschistische Geheimagent: Du findest ihn/sie nicht direkt. Meistens getarnt durch eine Menge in schwarz gekleideter Genossen oder versteckt hinter der ein oder anderen Mülltonne, hat der antifaschistische Geheimagent immer viel zu erzählen. Zum Einen könnten jeden Moment ein paar Nazis den Veranstaltungsort überfallen, er/sie hat aber für alle Fälle schonmal fünf Pakete Pflastersteine im dritten Stock an jedem Fenster deponiert. Zum anderen muss er/sie sich eine neue Bleibe suchen, da letzte Woche ein Polizeiwagen vor seiner/ihrer Wohnung parkte, als er/sie grade von der Nachtschicht im Krankenhaus zurückkam. Geistesgegenwärtig schmuggelte sich der/die antifaschistische Geheimagent über die Garagendächer über zwei, drei Hinterhöfe zum Kellerfenster des heimischen Wohnblocks. Eine seiner/ihrer leichtesten Übungen war es das Kellerfenster zu zertrümmern und die eigene Haustür aufzubrechen. Im Haus verbarrikadiert, lugte er/sie aus dem Fenster und sah wie der Polizist grade zur Abfahrt bereit, in das vor dem Haus parkende Bullenauto stieg. Eine Gruppe Kindergartenkinder schrie laut „AUF WIEDERSEHEN HERR OBERWACHTMEISTER MEIER“ und winkte ihm mit den grad neu erworbenen Fahrradführerscheinen hinterher. Der Vermieter war über das zerberstete Kellerfenster und die aufbebrochene Wohnungstür natürlich nicht sehr erfreut. Dieser verdammte Kapitalist.
- die gutgekleideten Jungendlichen: Uninteressiert an der Wand lehnend oder auf Klo diverse Modedrogen ziehend, bilden die gutgekleideten Jugendlichen den Groszteil des Publikums. Optisch längst der angeblichen Punkerzeit entstiegen, können sie bei der Aftershow Party dennoch jeden Hit alter Deutschpunkveteranen souverän mitgröhlen. Es sei denn, sie sind nicht schon irgendwo am bumsen oder längst zuhause. Vor der Show werden daheim vor dem Plattenspieler sämtliche wichtige Textpassagen akribischst einstudiert, für den Fall der Groszteil der Menge fängt an mitzugröhlen. Hält ein/e gutgekleidete/r Jungendliche/r genug Veranstaltungen durch, steigt er/sie automatisch zu einem/einer begeisterten Szenehans auf. Gefeiert werden natürlich nur die etablierten Bands oder die völlig neue, noch total unbekannte Rotzeband mit dem billigen Japansynthesizer. Während der Show darf nur Begeisterung gezeigt werden, wenn mehr als 50% des übrigen Publikums Begeisterung zeigt. Jedoch ist es wichtig darauf zu achten, nie komplett die Fassung zu verlieren und eventuell zu tanzen. Ein lässiges Kopfnicken sollte das Höchste der Gefühle sein. Ansonsten steht der/die allgemeine gutgekleidete Jugendliche schillernd, einen Halbkreis mit dem Rest des Publikums bildend, vor der Band und hält sich an seinem Getränk fest. Oft wirkt es, als müsze er/sie sich konzentrieren damit ihm/ihr das Bier schmeckt.
- der senile Altpunker: Seine/Ihre besten Tage sind lange gezählt, daraus wird kein Hehl gemacht. Zwei Zähne fehlen auf alle Fälle. Interessiert schaut sich der/die senile Altpunker die Bands an, schwelgt dabei in Erinnerungen an Früher. Nichts als Verachtung hat er übrig für die gutgekleideten Jugendlichen oder die mitgebrachten Studenten. Damals als das Haus besetzt wurde, welches sie nun als „ihr AZ“ bezeichnen, war er selbst dabei und hat kassiert und ausgeteilt. Was wissen diese Maden darüber? Zumindest alles was er ihnen bei jeder Gelegenheit vorkaut, je nach Alkoholpegel. Er/Sie bleibt meistens bis ganz zum Schlusz, da er/sie bei der dritten Band auf seinem Köter einpennt. Sollte er/sie doch noch den Weg nachhause schaffen, schreitet er/sie einen pennenden Kollegen wie ein Mistkäfer einen Haufen Scheisze vor sich herrollend, von dannen.
- der/die hängengebliebene SxE-Nulpe: Der Abend läuft nur gut für die hängengebliebene SxE-Nulpe, wenn mindestens einer Gruppe von minderjährigen Doppeldeppen die Kaliskaya Pulle aus den Griffeln geboxt werden kann. Es wird versucht so viel Spasz wie möglich zu haben, da die hängengebliebene SxE-Nulpe zeigen musz, das auch ohne Alkohol Spasz gehabt werden kann. Heeeey guckt mal wie cool ich rumhample und die Faust balle und ich brauch dafür nichtmal ein Bierchen uuuh und ich rauche auch garnicht. Fick dich, wen intressiert das? Du wirst ausgelacht wenn dich in zwei Jahren jemand mit deinem SxE-Pride Tattoo besoffen in der Bahn sieht. Gespräche werden immer auf Veganismus gelenkt, egal ob das Ausgangsthema Essen&Trinken oder die aktuellen Fuszballergebnisze waren.
- Der/Die Veranstalter/in: Die gröszte Kackbratze hier.
Das wars soweit. Nur acht verschiedene Typen. Wo bleibt denn da die Vielfalt? Schämt euch!
17 Kommentare
pimmel an der wand
Acht ist doch schon ganz schon viel, es gibt ja auch noch der/die emanzipierte/n Webautoren, die immer krampfhaft versuchen PC zu sein und einem was von Punk predigen. Etwas mehr Konsequenz und Vulgarismus bitte.
blubb
Applaus! 😀
analhusten
Welcher Depp hat eigentlich diesen scheiß mit dem „sz“ eingeführt? Man geht mir das auf den Senkel. Online-Petition folgt.
doktordoof
Es ist sehr wichtig sz zu schreiben anstelle vom belasteten sz. ich selber kann garkein sz mehr schreiben, sondern weiche unweigerlich automatisch aufs sz aus. ausserdem lasse ich mir nicht reinquasseln.
yolo3000
Durch was ist das ß belastet und wie kannst du die Verwendung des doppelten S mit deinem Gewissen vereinbaren?
uhhh
nörgel weiter, punker
Felix
Naja, war jetzt nicht so lustig ehrlich gesagt
Billigbierphilosoph
„Fick dich, wen intressiert das?“ 😀
Torben
ich hab die Seite vor ein paar tagen noch ziemlich abgefeiert, aber es kommt nichts neues mehr. Auf jeden Fall ist der text oben echt nicht lustig oder krass oder so
doktordoof
ja,esistalleslangweilig
Roulator
Diese Seite ist super und preiswert.
Streetwork Winzerla
hier ist die welt ja wenigstens noch in ordnung:
https://www.facebook.com/events/232142690250522/?source=1
Linke einzelkinder
Alle buchstaben sind vorbelastet die nazis hatten schreibmaschinen also nicht so n verkürzten scheiss bitte und lasst mal die spalterei.
Szenepolizist
Der sarkastische Blogger. Obwohl er kaum die Rechtschreibung beherrscht (Koppelstriche sind ihm ebenso fern wie die Tatsache, dass man „grölen“ nach wie vor ohne „h“ schreibt; mit dem Ersetzen des „ß“ durch „sz“, z.T. auch wenn statt des „ß“ ein „ss“ gebraucht werden würde, versucht er, den Leser auf subtile Weise zu provozieren), fühlt er sich zum Schreiben berufen, wie -zig andere, die in der Steinzeit vor dem Internet zu faul gewesen wären, in mühseliger Kleinarbeit Seiten für ein Fanzine zu kopieren. Einem verbitterten alten Mann gleich arbeitet er sich an den vermeintlichen Missständen ab, die seine Szene unterwandern: Er mag keine szenetypischen Dresscodes und Stereotypen, da er selbst zu cool dafür ist. Damit macht er sich selbst vor, über diesen Personen zu stehen, obwohl er mit größter Wahrscheinlichkeit selbst in seiner Vergangenheit mindestens eines dieser Modelle oder eine geringfügig abgewandelte Variante davon verkörpert hat. Jetzt sitzt er frustriert, ketterauchend und biersaufend vor seinem Computer und ärgert darüber, dass er in einer Szene hängengeblieben ist, die ihm nichts vielsagenderes zu bieten hat. Da er kein Szenehans ist, kann er auch über nichts interessanteres schreiben – über die paar Platten, die sein Ikea Expedit zieren, haben schon andere gebloggt, die Spiegel Reflex, mit der er coole Fotos auf den Konzerten machen wollten, haben ihm versehentlich ein paar SxE-Nulpen aus der Hand geprügelt, weil er in der anderen eine Bierflasche hatte. Usw. usf. Wie man es dreht und wendet: Der Blogger ist, besonders gemessen an dem von ihm so verhassten Veranstalter, eine ausgesprochen nutzlose, aber dennoch wichtigtuerische Kreatur, der man eigentlich nicht weiter Beachtung schenken sollte.
doktordoof
danke das dus trotzdem tust und hier diese zusammenfaszung schreibst, ist dir sehr zutreffend gelungen. weiter so, mein sohn!
lautenbach77
Dann gibt es noch die „Takeltussi“ welche nur zum „Reste ficken“ auf Punkkonzerten rumhängen.Meistens älteren Semesters hängen sie den ganzen Abend, stylisch aufgetakelt, an der Theke und trinken gruselige Mischgetränke.Zwischendrin wird immer mal wieder einen auf jung geblieben gemacht und im Pogomob die Hängetitten an allem gerieben, was nicht schnell genug auf einer Bierlache ausrutscht und außerhalb der Reichweite liegt.Der Kleidungsstil ist irgendwo zwischen Kasachstanischer Bahnhofsnutte und Hello Kitty angesiedelt und kann bei steigendem Alkoholpegel auch mal komplett entfallen.Ziel des Abends : „Last men standing“. Dank einer jahrelang antrainierten Alkoholresistenz stet dieses Exemplar auch noch nach zwei Flaschen Vodka halbwegs gerade im Raum.Sämtliche männliche Konzertbesucher, welche nicht wahlweise schon im Koma liegen oder zu Hause sind, sind potentielle Paarungskandidaten und werden auch dementsprechend angegangen.Wer also bei drei nicht besoffen in der Ecke liegt, hat gute Chancen bei der Takeltussi im Bett zu landen, ob er will oder nicht.
doktordoof
hast recht. aber hier gilt die devise: beszer widerlich als wieder nich